bewerten..

Immer wieder höre oder lese ich:   ich bin wertfrei. 
Bewertungen sind ego-orientiert und schlecht. Wer spirituell erwacht ist, nimmt die Welt einfach nur wahr und akzeptiert, was ist. Urteilsfrei, liebend und nicht-wertend.

Mhmm.. geht denn das überhaupt? Nun, aus meiner Sicht zuerst einmal.. wertfrei sein.. na, ich hoffe mal nicht, denn..      Hast du etwa keine Werte? 

Es gibt Dinge im Leben, die wertvoll und wichtig sind. Es gibt sicher auch Verhaltensweisen, auf die du bei dir selbst und anderen Menschen Wert legst. Ehrlichkeit vielleicht oder Offenheit oder Freundschaftlichkeit…
Wer sich selbst aufmerksam und ehrlich beobachtet, wird feststellen, dass Bewertungen und Urteile die ganze Zeit passieren.

Der Verstand ist eine Bewertungsmaschine. Das ist, was er macht. Bewerten ist eine wichtige Fähigkeit für unsere Sicherheit und unser Überleben. Und genau deshalb mach der Verstand nichts lieber als – bewusst oder unbewusst – Situationen, Menschen und Dinge zu bewerten, das ist sein Job.
Auch unser höherer, intuitiver Verstand tut nichts anderes:

  • Ist etwas gut oder erträglich für uns? 
  • Ist eine Entscheidung richtig?
  • Fühlt sich etwas stimmig an?

Jeder hat seine Vorlieben und Abneigungen und ich empfinde es als äußerst nützlich und hilfreich zwischen

  • angenehm und unangenehm 
  • Sympathie und Antipathie
  • gesund und ungesund
  • Wohlgefühl und Unwohlsein
  • Abneigung und Zuneigung

unterscheiden zu können.

Also.. ich denke, bewerten ist zunächst mal sehr gesund. Wir werten oder bewerten eben. Wenn du zum Beispiel eine liebe Freundin besuchst und sie hat einen Tisch für euch dekoriert und sich viel Mühe gegeben, dann wirst du schon im ersten Eindruck werten und urteilen: Es sieht toll aus oder eben nicht. Es gefällt dir oder nicht. Du fühlst dich wohl oder nicht.

Wann aber ist werten und bewerten NICHT nützlich?  Noch einmal.. Bewerten hat für mich etwas mit WERTE zu tun. Bewerten und beurteilen liegen eng beieinander, wo bei beurteilen auch das Wort Teilen steht. Ich denke, der feine aber bedeutsame Unterschied liegt darin, ob ich etwas BEwerte oder ABwerte oder ob ich etwas BEurteile oder VERurteile. Abwerten hat was mit ablehnen zu tun und verurteilen was mit verletzen.

Keiner mag es, beurteilt oder eigentlich genauer verurteilt zu werden. Wenn wir verurteilt werden, wird uns ein Stempel aufgedrückt, und wir fühlen uns eingeschränkt und klein.  Es ist immer leichter, andere zu verurteilen, statt in sich selbst zu gehen und sich mit Bescheidenheit zu betrachten und gleichzeitig anderen Menschen Respekt zu zollen.

Im Endeffekt ist es doch so, dass uns das Gefühl der Abwertung so weh tut.. wenn man das Gefühl vermittelt bekommt, nichts wert zu sein, wenn man verurteilt wird und es als ungerecht empfindet.   In anderen Worten: Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein projizieren ihre eigenen Unsicherheiten und Macken auf andere. Es ist wesentlich leichter für diese Menschen, andere abzustempeln und für Dinge zu verurteilen, anstatt sie in sich selbst zu sehen. Es ist erlösend für sie und gibt ihnen Macht.

Ja.. jetzt sehn wirs aber mal so..  wir werden alle täglich bewertet, das ist auch völlig ok so .. Dem einen Menschen bin ich sympathisch, dem anderen nicht. Manche lehnen meine direkte  Art oder meinen humorvollen Sarkasmus ab und wünschen sich mehr Diplomatie, andere finden gerade meinen Humor klasse.

Du hast das Recht zu werten und danach zu entscheiden: Was dir gut tut, wie du leben möchtest, welche Menschen dich umgeben dürfen. Je konsequenter du deine Bewertungen in deinem Leben umsetzt, umso wohler wirst du dich fühlen und umso eher wirst du der Mensch, der DU bist.

Respekt, Toleranz und Akzeptanz – das sind die gefragten Kompetenzen, um verantwortungsvoll mit einem menschlichen Phänomen umzugehen: dem ständigen werten und bewerten.

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